Andrei Pandea
RUMÄNIEN
Ich wurde 1985 in Bistrița geboren, einer ruhigen Kleinstadt im Norden Siebenbürgens. Aufgewachsen bin ich in einer der heute letzten und am besten erhaltenen, unverfälscht rumänischen Landschaften: sanfte, stille Hügel mit üppigen Wiesen, auf denen Kühe grasen und Menschen in traditionellen Trachten noch mit der Hand mähen, majestätische Berge, ein klarer blauer Himmel, Pferdewagen und schöne Lieder. Die Natur und ihre Einfachheit haben mein künstlerisches Schaffen stark geprägt: Figuren aus dem Lehm eines Dorfes in der Nähe meines Zuhauses, kleine rumänische Bauernfiguren, Tondraperien mit volkstümlichen Mustern, von Hand verzierte Ofenkacheln und vieles mehr.
Was hat mich dazu gebracht, die Kunst zu wählen? Warum habe ich eine künstlerische Laufbahn eingeschlagen? Das verdanke ich ganz und gar Mircea Mocanu, meinem Mentor, der selbst Künstler ist. Ich bin in seiner Werkstatt aufgewachsen, bin seinen Spuren gefolgt, habe seiner warmen Stimme zugehört, seine Hingabe und seine Weisheit in mich aufgenommen. Der Mensch faszinierte mich ebenso wie der Künstler. Er hat mich immer ermutigt, weil er in mir etwas sah, das andere nicht erkannten: meine Besessenheit von Gesichtern, von der unendlichen Vielfalt ihrer Ausdrücke und Haltungen. Die figurative Kunst war für mich daher unausweichlich. Ich habe nicht die Keramik gewählt; eher hat die Keramik mich gewählt. Letztlich war es die beste Entscheidung, denn die Pläne des Lebens sind größer, als wir uns vorzustellen wagen: Ton zu modellieren erlaubt mir, Fehler zu machen, und davon habe ich viele gemacht. Bei uns heißt es: „Aus seinen eigenen Fehlern lernt man.“ Vielleicht sollte das mein Leitspruch sein.
Ich besuchte das Liceul de Arte Plastice Corneliu Baba in meiner Heimatstadt. Dort entschied ich mich für Malerei, doch einer der Lehrer teilte mich der Bildhauereiklasse zu. Danach studierte ich an der Universitatea de Arte Plastice și Design Ion Andreescu in Cluj-Napoca mit dem Schwerpunkt Bildhauerei. Abgeschlossen habe ich das Studium allerdings nicht, ich brach es im letzten Jahr ab. Als ich in Sibiu ausstellte, beschloss ich schon nach einer Woche, mich in dieser schönen ehemaligen sächsischen Stadt niederzulassen. Hier lebe und arbeite ich bis heute. Hier entwickelte ich meinen Markennamen und führte von 2012 bis 2016 meine eigene Galerie, bevor ich meine Tätigkeit ins Internet verlagerte. Dadurch lernte ich viele interessante Menschen kennen, von denen die meisten zu Stammkunden und langjährigen Anhängern meiner Arbeit wurden.
Als ich 2019 die Bären für Teddies Riot modellierte, versetzte mich das in Gedanken ganz von selbst zehn Jahre zurück. Damals war ich mittellos und voller Trauer, hatte die Kunsthochschule und meine kleine Familie verlassen und streifte durch die Hügel rund um Bistrița, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Mein Taufpate, der zugleich meine wichtigste Vertrauensperson ist, sagte, ich solle anfangen, etwas Großes zu modellieren, etwas mit einem Sinn. Da ich kein Geld für Ton hatte, musste ich nehmen, was zur Hand war: Schlamm, Erde, Mutter Erde. Tag für Tag sammelte ich sieben Monate lang Lehm und formte daraus Figuren, deren Gesichtsausdrücke meinen damaligen Gemütszustand widerspiegelten. Jede ist einmalig. Keine Wiederholung. Ich nannte das Ensemble The Innocents’ Choir. Ich weiß nicht, wie ich überleben und 5.000 Figuren schaffen konnte. Doch es muss dieser Prozess gewesen sein, der mir half, zu heilen und die Klarheit und Kraft zu finden, die ich zum Weitergehen brauchte. Der Choir war auf einigen öffentlichen Plätzen zu sehen, in București, Brașov, Cluj-Napoca und Sibiu. Es war überwältigend zu erleben, wie viele Menschen stehen blieben, um die in unterschiedlichen Anordnungen und Mustern aufgestellten Innocents zu betrachten. Die Medien berichteten darüber und machten mich beinahe berühmt. Was für eine Verwandlung! Mit The Innocents’ Choir konnte ich 35.000 € sammeln, um Kindern mit Behinderungen oder unheilbaren Krankheiten im Endstadium zu helfen. Genau dieser Erfolg gab mir das Vertrauen, Teddies Riot zu beginnen.
Zwischen The Innocents’ Choir und Teddies Riot modellierte ich viele unterschiedliche Arbeiten, Children, Princesses, Statuettes und Wall pieces. Sie zeigen vor allem Porträts von Kindern und Frauen und sind auf meinem Facebook-Profil und meiner Website zu sehen. Ich stellte meine Arbeiten auf einigen Keramikfestivals aus, sowohl in Rumänien, etwa bei Ceramik in București 2019, als auch im Ausland: bei „argilla“ in Italien, in Villach in Österreich und in Florenz in Italien. Vor Kurzem habe ich eine neue Kollektion namens Puzzle geschaffen. Ihre Porträts bringen unterschiedliche Gefühle zum Ausdruck, haben die Form von Puzzleteilen und sind in verschiedenen Farben gestaltet. Da sie ineinanderpassen, lassen sie sich auf vielfältige Weise an der Wand anordnen. Der Großteil meiner Arbeiten ist auf Facebook und Instagram zu sehen.
Blau ist meine Lieblingsfarbe, wie man leicht erkennen kann. Blau steckt voller Symbolik. Es verbindet mich mit der Tiefe des Meeres und der Unendlichkeit des Himmels, es ist eine heilsame Farbe und ein wunderbarer Hintergrund für das, was ich ausdrücken möchte. Ich setze es als Kontrast zu Weiß ein oder um die Schönheit von Terrakotta zu unterstreichen, was wörtlich gebrannte Erde bedeutet. Ich mag den Gegensatz zwischen Blau und Wasser einerseits und Ton und Erde andererseits und die Art, wie sie einander ausgleichen.
Man könnte meinen, ich sei ein ausgesprochener Glückspilz, weil ich die Freiheit habe, ganz im Einklang mit meinen wirklichen Gefühlen zu gestalten. Für mich wäre es unmöglich, ein glückliches Gesicht zu modellieren, wenn ich tief in mir wütend bin. In der Schule hatte ich zum Beispiel sehr schlechte Noten in Malerei und galt als Rebell: Ich konnte kein Thema oder Motiv malen, das mir mein Lehrer vorgab. Ich wollte schöpferische Freiheit und mir selbst und der Kunst gegenüber aufrichtig und ehrlich bleiben.
Modellieren bedeutet viel Arbeit: aufbauen und wieder verwerfen, immer wieder neu beginnen, bis die gewünschte Kurve, der Winkel, das Lächeln, das Stirnrunzeln oder das Detail erreicht ist. Dafür braucht es keine Werkzeuge, Maschinen oder teuren Materialien, nur Inspiration, Ton und ein Holzstäbchen. Klingt einfach. Jedes Stück, das ich modelliere, bekommt ein wenig von mir mit. Wenn ich den harten Ton mit den Händen weich arbeite, werden Wärme und Energie übertragen. Wir kommunizieren miteinander, und auf einer unbewussten Ebene sagt er mir, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Als vollendet betrachte ich ein Werk jedenfalls erst, wenn ich es aus dem Ofen nehme. Das ist der letzte Schritt, die Prüfung, die alle Keramiker fürchten: Wird es Risse bekommen? Die Idee legt einen langen, verschlungenen Weg zurück, bis sie ihr letztes Stadium erreicht. Sie durchläuft zahlreiche Veränderungen von Form und Materie, bei denen Wissenschaft ebenso eine Rolle spielt wie handwerkliches Können. Doch sie schenkt mir die größte Zufriedenheit. Und sie macht andere Menschen glücklich.
Text von Andrei Pandea
Gruppenausstellungen (Auswahl)
2024
Galerie Dumas im Advent VOL.4, Galerie Dumas, Linz (AT)
2023
Galerie Dumas im Advent VOL.3, Galerie Dumas, Linz (AT)
Menschenbilder, Galerie Dumas, Linz (AT)
2022
Galerie Dumas im Advent VOL.2, Galerie Dumas, Linz (AT)
Make ART not WAR, Galerie Dumas, Linz (AT)
2021
Galerie Dumas im Advent, Galerie Dumas, Linz (AT)
Die auf unserer Website gezeigten Werke stellen nur eine Auswahl dar. Weitere Werke, Formate oder andere Arbeiten des Künstlers können auf Anfrage verfügbar sein.
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